Hollandräder erfreuen sich, wie der Name bereits vermuten lässt, in den Niederlanden großer Beliebtheit. Der Ursprung des Hollandrades liegt allerdings im England des 19. Jahrhunderts. An den dortigen Fabrikaten orientierten sich die ersten niederländischen Hersteller und passten ihre Modelle dann im Verlauf der Zeit den Gegebenheiten ihres Heimatlandes an. Hierbei stand weniger Innovation als vielmehr Langlebigkeit und Wartungsarmut im Mittelpunkt. Die stabile Ausführung des klassischen Hollandrades brachte ein Gewicht von 20 bis 25 kg mit sich. In der flachen niederländischen Landschaft war dies weiter kein Problem, doch gibt es heute auch modernisierte Varianten, die durch Rahmen und Felgen aus Aluminium ein Gewicht von unter 20 kg aufweisen. Aus dem gleichen Grund waren Gangschaltungen bis nach dem Zweiten Weltkrieg bei Hollandrädern eher unüblich, gehören bei gegenwärtigen Modellen als drei- bis siebengängige Nabenschaltungen aber meist zur Grundausstattung. Amazon.de Widgets
Das klassische Hollandfahrrad verwendet als Herrenrad einen typischen Diamantrahmen, wohingegen der Rahmen des Damenrades den sogenannten Hollandbogen aufweist. Dieser zeichnet sich durch ein gerades Unterrohr und ein hochgezogenes Oberrohr mit einfacher Biegung aus. Ein flacher Lenkkopfwinkel von etwas 65 bis 70 Grad sorgt neben einem hervorragenden Geradeauslauf auch dafür, dass sich der zumeist geschwungene Lenker relativ nah am Körper befindet. Daraus resultiert beim Hollandfahrrad eine gerade Sitzposition, die es den Händen ermöglicht, auf dem Lenker zu ruhen, ohne sich abzustützen. Dies entlastet Hände und Handgelenke, denn dank der aufrechten Sitzposition ruht ein Großteil des Körpergewichtes auf dem Sattel, der daher breit und gut gefedert sein sollte. Ein weiteres typisches Merkmal beim Hollandrad ist ein geschlossener Kettenkasten aus Moleskin oder Segeltuch, der bei modernen Varianten auch aus Kunststoff sein kann und der sich auch ohne Werkzeug relativ leicht entfernen lässt. Haben Hollandräder traditionell zwei Trommelbremsen für Vorder- und Hinterrad, die teilweise per Stange statt Seilzug bedient werden, so finden sich mittlerweile auch Modelle mit Rücktrittbremse. Eine weitere Besonderheit findet sich beim Gepäckträger, der statt eines Metallbügels oft über drei Gummibänder verfügt, mit denen das Transportgut gesichert werden kann. Die Beleuchtung ist beim Hollandfahrrad zumeist über einen Dynamo für das Vorderlicht und eine batteriebetriebene Rückleuchte gewährleistet.
Wird das Hollandfahrrad auch manchmal als Oma-Rad (niederländisch Omafiets) belächelt, so hat es doch auch außerhalb der Niederlande viele Anhänger, die das Hollandrad aus Nostalgie oder für den städtischen Bereich schätzen. Neben den bekannten niederländischen Marken wie Gazelle, Batavus, Sparta oder Union gibt es auch Hersteller aus anderen Ländern, die ähnliche Räder produzieren.